Bruno von Toul

“Schweren Herzens folgte Bischof Bruno von Toul dem Befehl des Kaisers. Dieser elsässische Graf, damals 46 Jahre alt, war schön und hochbegabt, sehr musikalisch, sittlich makellos, ohne pedantisch und kleinlich zu sein. In seinem Verhalten gegen die Sünder wählte er sich Christus zum Vorbild, der nicht gestraft, sondern gesagt habe: Gehe hin in Frieden und sündige hinfort nicht mehr.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/cbpzZ1X

St. Henry the Exuberant

“Der Kirche verstand er seinen Willen aufzuzwingen, ohne sie sich zum Feinde zu machen, ist er doch als einziger unter den deutschen Kaisern unter die Heiligen aufgenommen worden.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/5bTzbnw

Der tieftragische Zug der großen Mehrheit der Kaiser

“Was den Kaisern oblag, dem Reich, dessen Grenzen der Idee nach mit den Grenzen der Welt zusammenfielen, Richtung, Recht und Frieden zu geben, überstieg Menschenkraft; deshalb hatten die Kaiser fast alle, mit Ausnahme Karls des Großen und Ottos des Großen, einen tieftragischen Zug.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/1B1QUF0

Die Deutschen als Träger der Einheit

“Daran allerdings konnte man zweifeln, ob die Deutschen durchaus Träger des Imperiums sein müssten. Dass sie es waren, konnte man, wenn man Lust hatte, auf Priamus und Äneas zurückführen; tatsächlich waren sie es geworden durch ihre militärische Übermacht und ihre geografische Lage. Als das Reich der Mitte, als ein Land, reich an starken Männern und Waffen, als ein empfängliches Volk, das fremden Einflüssen zugänglich und zugleich fähig war, sie eigenartig zu verarbeiten, als ein fantasievolles Volk, das zwar kriegstüchtig, aber nicht eigentlich eroberungssüchtig war, besaßen die Deutschen viele Eigenschaften, die sie geeignet machten, Vermittler, Träger der Einheit zu sein.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/25i0Dbk

Aufstand im Jahre 1066

“Da verriet ein furchtbarer Aufstand, zu dem der Sturz Adalberts im Jahre 1066 das Zeichen gab, dass der Hass der Wenden gegen die Christen und ihren Gott nicht erloschen sei: Gottschalk wurde erschlagen, ebenso die Bischöfe von Mecklenburg und Ratzeburg; wie Opfertiere wurden sie den heidnischen Göttern geschlachtet.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/cD6UIG3

Good effort, Sven!

“In einem Punkte nur fand man die Nordleute zu tadeln, in der Maßlosigkeit nämlich, mit der sie sich sinnlichen Genüssen hingaben. Sie berauschten sich im Trunk und in der Liebe, und weder das Trinken noch die Frauen wollten sie sich nehmen lassen. König Sven wurde vom Volke wegen der großen Zahl seiner natürlichen Kinder König Vater genannt.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/fTR4qd3

Interesting observations concerning the impact of Christianity in this chapter, here and elsewhere.

“Die Anerkennung schöner und edler Eigenschaften der Heiden führte nicht etwa zur Herabsetzung des Christentums, sondern zu dem verstärkten Wunsche, diese Heiden zu Christen zu machen, damit sie das einzige erwürben, was ihnen fehlte. Denn erst als Christen waren sie Glieder des Reiches, traten sie ein in den gotterfüllten Raum des Himmels und der Erde, des Lebens in der Ewigkeit. Es war ein Zauber, der die Menschen verklärte, auch wenn er ihr Inneres nicht verwandelte.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch

Olaf Tryggvason und Dankbrand

“Olaf Tryggvason war ein König nach dem Herzen der Nordleute: fröhlich, prächtig, glücklich und gütig, im Zorne unaufhaltsam zerstörend wie das Feuer. Er begann sofort die Heiden zu bekehren und schickte den kühnen Dankbrand zu diesem Zwecke nach Island. Einige Heiden, die sich der Taufe widersetzten, schlug Dankbrand sofort tot, einem besonders starken Helden erbot er sich, die Überlegenheit seines Gottes im Zweikampf zu beweisen. Trotz mancher auf diese Art errungenen Erfolge hielten es die erstaunten Isländer für ratsam, den gefährlichen Missionar aus ihrem Lande zu verbannen. So waren die nordischen Küstenbewohner: funkelnd vor Kraft und Übermut und Grausamkeit wie das Meer, halb Kinder, halb Riesen.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/aCXpJyg

Nordleute

“Wohl aber bestand im Norden noch lange ein germanisches Zusammengehörigkeitsgefühl. Wenn es auch englische und schwedische, dänische und norwegische Königreiche gab, die sich untereinander bekriegten, wenn auch die Sachsen und Friesen sich bewusst waren, zum Römischen Reiche Deutscher Nation zu gehören, wenn sie auch verschiedene Sprachen redeten und verschiedene Ziele verfolgten, so fühlten sie sich doch als Nordleute, verbunden durch das nordische Meer, das gegen ihre Küsten flutete, das ihre Schiffe befuhren, das ihr gemeinsames Schicksal war.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/bDb7dCl

Über die Eingliederung von Dirnen als Mitbürgerinnen

“Dass die Regelung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau durch die Kirche nichts mit Zimperlichkeit und Sinnenfeindlichkeit zu tun hatte, beweist die Unbefangenheit, mit der die Dirnen in den öffentlichen Frauenhäusern betrachtet und behandelt wurden. Sie erschienen bei festlichen Anlässen als eine ständische Gruppe neben anderen, oft mit Blumen geschmückt, und wenn an der Rücksicht, die man auf sie nahm, auch der finanzielle Gewinn einen Anteil hatte, den Stadträte oder Fürsten aus ihnen zogen, so zeigte sich doch auch die Neigung des ganzen Volkes darin, diese Mitbürgerinnen sich eher mit Wohlwollen einzugliedern, als sie zu verachten oder sich an ihnen zu ärgern.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/bopE73k

Barbarossa und Hildegard von Bingen

“Die Heilige trat für den Germanen an die Stelle der wegen ihres prophetischen Geistes oder wegen ihrer Zauberkunst verehrten Frauen. Sieht man, mit was für geduldiger Aufmerksamkeit ein so imperatorischer König wie Friedrich I. Barbarossa die Strafpredigten der Hildegard von Bingen aufnahm, kommt es einem vor, als habe die Ehrfurcht in ihm nachgewirkt, die seinen heidnischen Vorfahren die Seherin als die von den Göttern Erwählte einflößte.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/bO3GIij

Die Hochschätzung der Jungfräulichkeit

“In der Hochschätzung der Jungfräulichkeit traf die christliche Auffassung mit der germanischen zusammen. Die Walküren verloren ihre Kraft mit der Jungfräulichkeit, das Blut oder der Kuss einer reinen Jungfrau hat im Märchen erlösende Kraft.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/5xiw1uk

Das überirdische Geheimnis der Empfängnis und Mutterschaft

“Das überirdische Geheimnis der Empfängnis und Mutterschaft hatte sein Symbol in der jungfräulichen Mutter des Herrn, in der das Wort Gottes Fleisch wurde. In den kleinen dunklen Kirchen der ottonischen Zeit sah man sie unnahbar groß, den wunderbaren Sohn auf dem Arme, eine Göttin mit unergründlichem Leidensblick, man sah sie unschuldig ernst, halb abgewendet der Botschaft des Engels lauschen, der die Fülle himmlischer Herrlichkeit vor sie hinstürzt, man sah sie, das Herz von Schwertern durchbohrt, sah die Überwinderin aufwärts schweben, das verjüngte Haupt mit der Krone des Lebens gekrönt. Sie, die Gottesgebärerin, die Himmelskönigin, war in allen irdischen Leiden geprüft. Und erlebte nicht jede Frau das Wunder, dass ihrem Schoße ein Kind entsprang, dem Gott die Seele einhauchte? Das unlösbare Geheimnis der Geburt band die Frau an den Gott, dessen Atem dem Geschöpf die letzte Vollendung zur Menschenwürde gibt; ihm brachte man es dar nicht erst bei der Taufe; schon vorher, als es noch ungestaltet in ihrem Schoße lag, musste es durch sie von seinem Wort beseelt werden. Im Märchen wird die Frau, die beschuldigt wurde, anstatt eines menschlichen Kindes einen Hund oder einen Wolf zur Welt gebracht zu haben, zum Feuertode verurteilt; wie eine Ketzerin oder Zauberin, eine Gottlose, erscheint die, deren Kind kein Menschenantlitz trägt, also kein Gotteskind ist.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/62trM2Y

Der Mütter Wahl

“Begreiflich ist es auch, dass die Mütter wenigstens einige ihrer Söhne der Kirche zu übergeben liebten, wo sie einigermaßen vor dem Tod im Kriege gesichert waren, wo ihre Begabung gepflegt wurde und sich entfalten konnte. So dachte zum Beispiel die Gräfin von Goseck, eine geborene Gräfin von Weimar, von deren Söhnen einer, Adalbert, der berühmte Erzbischof von Bremen wurde. Die ritterliche Erziehung der Knaben war so hart, sie verlief zwischen Pferden und Waffen, im Stalle, im Sattel, unter Knüffen und Püffen, dass es dem Herzen mancher Mutter wehtun mochte, besonders wenn das Kind zart war und darunter litt.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/bmV1Pbm

Zärtliche Verbindungen. mit Geistlichen

“Den Aufenthalt im Kloster zogen gewiss viele Mädchen der Ehe vor; sie genossen dort Bequemlichkeit, Sicherheit und Ehre, und auch eine weitgehende Freiheit nahmen die adligen Frauen als selbstverständlich für sich in Anspruch. Fanden die Frauen kein Glück in der Ehe, so wussten sie sich zu entschädigen, wenigstens möchte man das aus den häufigen Verdächtigungen hochgestellter Frauen schließen, wenn sie auch nicht immer begründet waren. Ottos des Großen Tochter Liutgard wurde des Ehebruches beschuldigt, die später heiliggesprochene Kunigunde, die Frau Heinrichs II., soll sich durch das Gottesgericht von der Anklage gereinigt haben, indem sie mit bloßen Füßen über ein glühendes Eisen schritt. Man dachte im Allgemeinen nicht streng über leidenschaftliche Beziehungen zwischen Mann und Frau. Bischof Salomon von Konstanz hatte ein Liebesverhältnis mit der Äbtissin des Klosters Fraumünster von Zürich; in die schöne Tochter, die der Verbindung entsprang, verliebte sich der Kaiser Arnulf. Es ist nicht zu verwundern, wenn Frauen oft beschuldigt wurden, mit Geistlichen zärtliche Verbindungen zu unterhalten, wenn sie gern mit Geistlichen verkehrten.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/dolBgVs

Über die Bildung der Frauen

“Wir hören, dass im 9. Jahrhundert Bischof Ansgar zuweilen zu einer sächsischen Adligen namens Liutbirg pilgerte, die im Bodetal ein Eremitendasein führte; sie unterrichtete Mädchen im Beten, Singen und Handarbeiten. Dazu kam später wohl noch die Kenntnis von Sprachen und das Spielen verschiedener Musikinstrumente. Jedenfalls waren die Frauen eher gebildeter als die ritterlichen Männer; noch Ende des 15. Jahrhunderts konnten ein Burggraf von Nürnberg und ein Graf von Sayn nicht schreiben, vielleicht konnte es auch Rudolf von Habsburg nicht: es ist anzunehmen, dass die Frauen, die sich so warm für Dichter und Dichtkunst interessierten, das Lesen verstanden. Dass Nonnen oft schrift-und sprachenkundig waren, ist selbstverständlich.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/35qZUiu

Der Frauen Stolz

“Unbändiger Stolz beseelte die deutsche und namentlich die nordische Frau, ebenso wie die nordgermanischen Männer. Sie zürnen dem Vater, wenn er sie, ohne sie um ihre Einwilligung zu fragen, vermählt, zürnen ihm doppelt, wenn er sie einem Unebenbürtigen gibt. Es kommt vor, dass der Mann die Frau im Zorne schlägt, aber ebensooft, dass sie den Schlag mit seinem Tode rächt.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/hV4lsVi

Der Frauen Zustand

“Frauen Die Leiden und Entbehrungen, zu denen die Frau durch die Natur bestimmt ist, wird keine menschliche Einrichtung je ganz aufheben können; denn wer befreite sie von der Liebe zu den Kindern, die von diesen nie im selben Grade erwidert wird, von ihrer Anhänglichkeit an den Mann, der im Wechsel glücklich ist, von ihrem Schwelgen in Unterordnung, das ihre Beherrscher erst recht zu Tyrannen macht, von ihrem Pflichtgefühl, das sie an Haus und Familie bindet, von der Zartheit ihres Gewissens, das ihr manches verbietet, was der Mann sich erlaubt, und ihr manches auferlegt, was der Mann vernachlässigt. Sieht man ab von den Beschränkungen, mit denen die Natur die Frau eingeengt hat, so findet man, dass sowohl die germanische Auffassung wie die der Kirche der Frau günstig war. Das Wort Frau heißt Herrin, und Herrinnen waren die adligen und freien nordischen Frauen, von denen Geschichte und Sage melden. Durch das Gesetz allerdings war die Frau vom Manne abhängig und von der Betätigung im staatlichen Leben ganz ausgeschlossen, wenn sie auch im Volksrecht einiger Stämme doppeltes Wergeld genoss und auch sonst gewisse Züge auf eine zartfühlende Berücksichtigung der körperlich schwächeren und geistig so wirksamen, der opferbereiten, mit so schwerer Verantwortung beladenen Gefährtin deuten. Allein man kann auf die Geltung, die eine Klasse von Menschen hat, nicht nur aus dem Gesetz schließen. Die enge Beziehung zwischen Mutter und Sohn, Vater und Tochter, Bruder und Schwester, Mann und Frau schuf im täglichen Leben Gewohnheiten, die der Frau mehr zuwendeten, als das plumpe Gesetz ihr nahm. Soweit die Persönlichkeit wirken konnte, hatte die Frau viel Einfluss. Lässt er sich selten ausdrücklich berechnen, so spiegelt er sich darin, dass die Überlieferung oft, wenn ein Mann etwas im Guten oder Bösen Auffallendes, etwas Sieghaftes oder Unheilvolles tat, die Mutter oder Frau dafür verantwortlich machte.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/0rsnBQz

The multifoliate nature of mediaeval German bishops

“Im Wesen vieler dieser Kirchenmänner waren Hochmut mit Demut, Ausgelassenheit, Wildheit, Abenteuerlust und Prachtliebe mit Gottergebenheit und Askese wunderlich gemischt. Die eben noch mit Begeisterung Hiebe ausgeteilt oder an reichbesetzter Tafel geschwelgt hatten, überschwemmten bald darauf den Boden der Kirche mit Tränen. Groß war aber auch die Zahl derer, die ihr Leben in staatsmännischer Arbeit verzehrten und daneben das Beispiel der Sittenreinheit und priesterlichen Frömmigkeit gaben.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/9icvkH5

Don’t mess with Günther von Bamberg

“Ein Freund der alten Volksgesänge war der schöne Bischof Günther von Bamberg, der auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land mehrmals für den König gehalten wurde, was wohl mit seiner Schönheit und stolzen Haltung zusammenhing. Bei den vielen Abenteuern, die die Pilger, unter denen noch andere Kirchenfürsten und mehrere Grafen und Herren waren, zu bestehen hatten, ging Günther allen an unerschütterlichem Mut voran. Kurz vor Jerusalem wurden sie von Arabern überfallen; ein Teil wurde ermordet, ein anderer warf sich unter Günthers Führung in einen festen Turm und verteidigte sich dort. Nachdem ein Waffenstillstand geschlossen war, wurden mehrere Araberfürsten eingelassen, um über den Preis der Befreiung zu verhandeln. Einer von diesen bedrohte Bischof Günther, den er für den höchsten von allen hielt, in rohen Worten mit dem Tode. Kaum hatte Günther durch den Dolmetscher erfahren, was der Mann gesagt hatte, als er, nicht im Geringsten beunruhigt, den Feind mit einem Faustschlag zu Boden streckte und ihm mit dem Fuße die Kehle zudrückte.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/9icvkH5

Burchard, Bischof von Wurms

“Seinerseits brachte Willegis durch seine Empfehlung einen tüchtigen Mann auf den Bischofsstuhl zu Worms, Burchard, der als erster ein geschriebenes Recht für seine Familie, nämlich die auf dem Stiftsgebiet ansässigen, der Kirche und ihrer Gerichtsbarkeit untergebenen Leute, verfasste. »Wegen der unablässigen Klagen der Armen«, so beginnt das berühmte Hofrecht, »und der zahlreichen Gewalttaten vieler Personen, die wie Hunde die Familie des heiligen Petrus zerfleischten, indem sie den dieser Familie Zugehörigen alle möglichen Gesetze aufbürdeten und die Schwachen durch ihre Urteile unterdrückten, habe ich, Bischof Burchard, unter dem Beirat meines Klerus, meiner Vasallen und der ganzen Familie diese Gesetze aufzeichnen lassen, damit kein Stiftsvogt, Viztum, Ministerial oder sonst eine rechtweisende Person der genannten Familie etwas Neues auferlegen könne, sondern dass reich wie arm ein und dasselbe Gesetz vor Augen gestellt werde und allen gemeinsam sei.« Der mächtige Bischof erließ kein Gesetz ohne die Mitwirkung und Zustimmung nicht nur des Klerus und seiner Vasallen, sondern auch seiner Untergebenen.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/9pig7jZ

Der gute Bischof Meinwerk von Paderborn

“Weniger durch Begabung als durch Charakter zeichnete sich Bischof Meinwerk von Paderborn aus. Ihm lag das Los der Armen besonders am Herzen; es genügte ihm nicht, in der üblichen Art Almosen zu spenden, er überwachte die Meier und Vögte, von denen die Hörigen abhingen, untersuchte die Verhältnisse selbst, und damit er nicht betrogen würde, zog er als Kaufmann verkleidet im Sprengel herum. Er gebot den Meiern, die Hörigen zur Erntezeit mit Speise und Trank zu versorgen, was vorher augenscheinlich nicht üblich war, und als er einmal zufällig eine Wirtschafterin schimpfen hörte, dass man die Arbeiter mit Mehlsuppe abspeise, verordnete er, sie sollten noch einige Schinken außer denen erhalten, die die Meier ohnehin ihnen zu stellen verpflichtet waren. Wenn er auf Unregelmäßigkeiten stieß, wurde er leicht zornig, machte aber die Schläge, die er dann etwa austeilte, hernach in großmütiger Weise gut. Zurzeit einer Hungersnot kaufte er in Köln Getreide auf und ließ es durch seine Meier so verteilen, dass ein Teil dem eigenen Bedarf, ein Teil den Leuten, ein Teil als Samengetreide und ein Teil den Bettlern diente. Wo die Bevölkerung einer Pfarrei sehr weite Wege zur Kirche hatte, teilte er sie entweder oder baute eine neue Kapelle innerhalb der Pfarrei.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/e4jzJMy

Ansgars gute Charaktereigenschaften

“Es war nicht so, dass die Dänen und Schweden durch Ansgars Predigt Christen geworden wären; aber alle, die mit ihm in Berührung kamen, gewannen den Eindruck eines großen und guten Menschen. Man glaubte leichter an den allmächtigen Vater im Himmel, wenn ein Mann ihn verkündete, auf dessen Antlitz, wie es von Ansgar heißt, Adel und Hoheit leuchteten, der den Großen Ehrfurcht, den Niedrigen Vertrauen, den Bösen Scheu einflößte. Besonders bemerkenswert war seine Tätigkeit unter Armen und Kranken; es wird hervorgehoben, dass er, wo er Notleidende traf, nicht nur half, sondern sofort half. Dem Fehler des Hochmuts, in den er zuweilen zu verfallen fürchtete, wirkte er durch Handarbeit entgegen, namentlich beschäftigte er sich mit dem Stricken von Netzen. Überhaupt verlangte er von den missionierenden Priestern, dass sie sich Kleidung und Nahrung durch Handarbeit selbst verdienten. Wenn er gelegentlich einer Krankenheilung, da das Volk ihn als Wundertäter verehrte, sagte, Gott möge ihn des einen Wunders würdigen, einen guten Menschen aus ihm zu machen, bekannte er sich zu der Auffassung, dass erst die Güte des großen Mannes Vollendung ausmache. Ansgar starb im Jahre 865.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/27fjnbM

Hamburg von den Wikingern angegriffen und zertrümmert

“Die Verbindung Hamburgs mit Bremen veranlasste 14 Jahre später ein Überfall der Wikinger, der Hamburg gänzlich zerstörte. Es war zur Stunde der Abenddämmerung, als 600 Schiffe bei der wehrlosen Stadt landeten; denn der Graf des Gaus, zu dem Hamburg gehörte, war abwesend. Ansgar rief wohl zusammen, was an waffenfähigen Männern da war; aber es war zu spät, um mehr als das Leben und einige Reliquien zu retten. Die wohl ganz aus Holz gebaute Stadt lag in Asche, als der Sturm vorübergebraust war.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/5qfL3s6

Ansgar zum ersten Erzbischof von Hamburg geweiht

“Zum Zwecke der Bekehrung der nordischen Länder wurde nunmehr, im Jahre 831, ein Erzbistum gegründet und Ansgar übertragen, dessen Sitz Hamburg sein sollte, und dessen Ausstattung dadurch zustande kam, dass die Erzbischöfe von Bremen und Verden auf einen Teil ihrer nordalbingischen Diözese verzichteten. Erzbischof Drago von Reims, ein natürlicher Sohn Karls des Großen, weihte Ansgar zum ersten Erzbischof von Hamburg.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/2PxiEyP

Ansgars erfolgreiche Reise nach Schweden

“Nachdem Ansgar in Schleswig eine Schule errichtet hatte, wurde ihm die Mission in Schweden aufgetragen, wo er das altberühmte Sigtuna am Mälarsee, den von Odin begründeten Ursitz der schwedischen Könige, und den heiligen Hain und goldenen Tempel von Uppsala mit den Bildern der Götter Odin, Tor und Freyr kennenlernte. Er hatte das Glück, dass der Ortsvorsteher der eine Tagereise von Uppsala entfernten großen Handelsstadt Birka sich zum Christentum bekehren ließ und auf seinem Gut eine Kirche baute und dass dieser Mann, der wirklich im Herzen für die neue Lehre gewonnen war, auch nach Ansgars Abreise an ihr festhielt.”

— Deutsche Geschichte: In drei Bänden (Sachbücher bei Null Papier) by Ricarda Huch
https://amzn.eu/2cWC7wb

Ricarda Huch

The author of the three volume history of Germany I am currently reading.I knew nothing about her, having stumbled on her work by chance. I now discover, without registering any surprise, that she was a pioneering intellect who was nominated for the Nobel Prize not once, but seven times. LJ

Ricarda Huch – Wikipedia
— Read on en.m.wikipedia.org/wiki/Ricarda_Huch